in der Bohrschlammdeponie Brüchau, auch Silbersee genannt, allein 250 Tonnen reines Quecksilber

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Das Land hat Angaben zu den Inhaltsstoffen der Bohrschlammdeponie Brüchau gemacht. Und die klingen nicht gerade beruhigend.

Von Conny Kaiser

 

Brüchau l Schon Milligramm-Mengen Quecksilber können ein Lebewesen nachhaltig schädigen. Dementsprechend findet es Ökologe Hermann Bubke geradezu „unglaublich“, dass sich in der Bohrschlammdeponie Brüchau, auch Silbersee genannt, allein 250 Tonnen reines Quecksilber befinden sollen. So jedenfalls steht es in jener Auflistung, welche die Landesregierung der Antwort an die Landtagsabgeordnete Dorothea Frederking (Bündnis 90/Die Grünen) beigelegt hat.

Diese hatte kürzlich von ihrem Recht als Parlamentariern Gebrauch gemacht und eine sogenannte Kleine Anfrage gestellt, nachdem die Volksstimme von der geplanten Schließung der Deponie und von befürchteten Gesundheitsrisiken berichtet hatte.

Bedenkliche Quecksilber-Werte zur DDR-Zeit

Der gebürtige Altmärker Hermann Bubke hat die Antwort auf Frederkings Anfrage mit großem Interesse gelesen. Er, der heute in Berlin lebt, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Quecksilbervergiftungen im Zuge von Erdöl- und Ergasförderungen und hat dazu sogar eine entsprechende Studie erarbeitet. Im Zuge seiner Recherchen hat er auch herausgefunden, „dass es vor 1990 starke Belastungen durch Quecksilber-Ausgasungen aus der Deponie Brüchau gab. Der Wert in der Umgebungsluft war damals sehr bedenklich“, sagt der ehemalige Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde, der für seine Studie auch Material des einstigen Staatssicherheitsdienstes der DDR genutzt hat.

Es interessiere ihn natürlich auch sehr, so Bubke weiter, wie die Belastung nach 1990 ausgesehen habe beziehungsweise wie sie aktuell aussehe. Doch müsste er dazu Einsicht in neuere Unterlagen nehmen, die ja in der Antwort an Dorothea Frederking als Anlage aufgelistet worden seien. Allerdings bezweifelt Bubke aufgrund von Erfahrungswerten, dass dies so einfach möglich ist, da nach seiner Meinung weder der Betreiber der Bohrschlammdeponie, die GDF Suez E&P Deutschland, noch die zuständigen Behörden ein großes Interesse daran haben dürften, dies öffentlich zu machen.

Bis 2012 Schadstoffe eingelagert

„Denn es ist schon erstaunlich, was da alles eingelagert wurde“, so Bubke, der dabei unter anderem auch auf die hochtoxischen Cyanide anspielt, die bekanntlich zu den Blausäure-Bestandteilen gehören. Für ihn sei klar, dass Brüchau, egal, welche Schließungsvariante am Ende realisiert werde, kein Zwischen-, sondern ein Endlager für diverse Giftstoffe werde.

Aus der Antwort der Landesregierung an Dorothea Frederking geht auch hervor, dass dort zwischen 1972 und 2012 Schadstoffe eingelagert wurden, wobei aber nicht nur Produktionsabfälle aus der Erdgasförderung nach Brüchau verbracht wurden, sondern ab 1977 auch Fremdeinlagerungen erfolgten. Diese stammten aus anderen Industriezweigen und wurden von der Bezirksschadstoffkommission zugewiesen.

Ökologe sieht den Kreis in der Pflicht

Zum Gefährdungspotenzial der eingelagerten Stoffe gibt es trotz eines entsprechenden Unterpunktes in der Anfrage Frederkings keine Antwort. Fakt ist aber, dass es in Brüchau und Umgebung seit langem den Verdacht gibt, dass bestimmte Krebserkrankungen häufiger auftreten als andernorts und dass dies mit der Schadstoffdeponie zusammenhängen könnte (Volksstimme berichtete). Offiziell ist dies nicht durch Zahlen belegt. Gerade deshalb sieht Hermann Bubke auch das Gesundheitsamt des Altmarkkreises Salzwedel in der Pflicht. Ihm müsse daran gelegen sein herauszufinden, ob die eigene Bevölkerung tatsächlich einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt sei.

siehe: http://www.volksstimme.de/lokal/gardelegen/schadstoffdeponie-250-tonnen-quecksilber-im-silbersee

ebenso:

http://www.volksstimme.de/20150813/bohrschlammdeponie-gesundheitsrisiko-befrchtet

http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/gardelegen/1508815_Endgueltiges-Ende-fuer-Bohrschlammdeponie.html

 

hier die Anfrage und die Antwort der Landesregierung, die keinen Bedarf an Maßnahmen sieht:

Landtag v. Sachsen-Anhalt, Drs. 6/4392 v. 17.9.15
http://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp6/drs/d4392gak.pdf

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